Aktionärsbrief zum dritten Quartal 2009

Sehr geehrte Mitaktionäre, liebe Leser,

In den vergangenen Monaten haben wir das Geschäftsmodell von GFKL neu ausgerichtet, um den Auswirkungen der Finanzkrise entgegenzutreten. Neben der Neuorganisation der Unternehmensgruppe, welche das Ziel verfolgt sich auf die margenstarken Geschäftsbereiche Forderungsmanagement (Inkasso) und Software zu konzentrieren, wurden verschiedene Möglichkeiten geprüft, die Finanzausstattung der GFKL-Gruppe zu stärken.

Mit der weltweit tätigen Beteiligungsgesellschaft Advent International (Advent) wurden im September 2009 Vereinbarungen über den Kauf eines Mehrheitsanteils an GFKL sowie der Zuführung neuen Kapitals außerhalb des bestehenden Gesellschafterkreises getroffen. Die Vereinbarungen waren an verschiedene Vollzugsbedingungen geknüpft, welche am 14. Dezember 2009 insgesamt erfüllt wurden. Advent ist zum Stichtag 31. Dezember 2009 mit einem Anteil von 87,9% neuer Hauptgesellschafter von GFKL.

Advent zählt zu den weltweit führenden globalen Buy-out-Gesellschaften und gilt seit 25 Jahren als treibende Kraft bei internationalen Unternehmensbeteiligungen.

Der Einstieg von Advent ist ein wichtiger Schritt, um GFKL in einem wachsenden Markt weiterhin erfolgreich zu positionieren. Advent wird fundierte Branchenexpertise einbringen und auch das für die Weiterentwicklung notwendige Kapital zur Verfügung stellen.

Im Zuge der finanziellen Stärkung des Unternehmens fasste der Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrates am 4. Dezember 2009 den Beschluss, das Grundkapital um bis zu 8.250.000 € durch Ausgabe von bis zu 8.250.000 neuer Aktien zu erhöhen. Der Ausgabepreis für eine neue Aktie betrug 6,36 €.

Die abgebenden Altgesellschafter, die über insgesamt rund 83% des Grundkapitals der Gesellschaft verfügten, traten ihre Bezugsrechte aus dieser Kapitalerhöhung an Advent ab. Aus dieser Abtretung heraus hat Advent insgesamt bis zu 6.979.073 neue Aktien gezeichnet. Ferner verpflichtete sich Advent, alle nicht gezeichneten Aktien zu erwerben, sodass die Kapitalerhöhung komplett durchgeführt werden wird. GFKL fließen mit vollständiger Durchführung der Kapitalerhöhung insgesamt rund 52,5 Mio. € zu. GFKL wies zum Stichtag 31. Dezember 2009 ein um 6.979.073 € erhöhtes Grundkapital von 24.612.863 € aus.

Darüber hinaus stellte Advent GFKL ein Nachrangdarlehen in Höhe von rund 28 Mio. € zur Verfügung.

Des Weiteren hat Advent den überwiegenden Teil der abgebenden Altaktionäre dazu verpflichtet, dass diese von GFKL nichtstrategische und risikobehaftete Vermögenswerte zu Buchwerten von insgesamt 74 Mio. € erwerben.

In Summe fließen GFKL somit insgesamt mehr als 150 Mio. € an liquiden Mitteln aus der Transaktion mit Advent zu. Gleichzeitig konnten mögliche zukünftige Risiken hinsichtlich der verkauften Aktiva dauerhaft ausgelagert werden.

Im Zusammenhang mit der Advent-Transaktion wurde auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 10. Dezember 2009 der Beschluss gefasst, die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder von sechs auf drei zu verringern. Darüber hinaus wurden die Herren Plumpe, Ognall und Lotter als neue Aufsichtsräte gewählt, welche ihr Amt mit Wirkung zum 15. Dezember 2009 antraten. Die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder legten ihr Amt mit Wirkung zum 14. Dezember 2009 nieder. Herr Plumpe wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates, die Herren Ognall und Lotter zu seinen Stellvertretern, gewählt.

Mit Wirkung zum 17. Dezember 2009 legte Dr. Peter Jänsch sein Mandat als Vorstandsvorsitzender bei GFKL nieder. Seine operative Tätigkeit lag in den vergangenen Jahren hauptsächlich im Geschäftsbereich Leasing, welcher im Rahmen der Neuausrichtung der GFKL aufgegeben wurde. Dr. Jänsch hat in den vergangenen Monaten gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen an der Reorganisation der Gesellschaft gearbeitet und den Aufsichtsrat bei der Suche eines neuen Hauptaktionärs unterstützt. Er wird dem Unternehmen weiterhin beratend zur Verfügung stehen.

 
Zum Geschäftsverlauf:

Das ausgewiesene Vorsteuerergebnis der ersten drei Quartale 2009 in Höhe von -43,0 Mio. € lag wesentlich unter dem Vorjahr (Vj. 15,1 Mio. €). Dies ist zurückzuführen auf Sondereffekte in Höhe von -55,4 Mio. €. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern in den fortgeführten Geschäftsbereichen beträgt somit im Berichtszeitraum 12,4 Mio. €.

Die Sondereffekte in Höhe von -55,4 Mio. € setzen sich im Wesentlichen aus den beiden folgenden Punkten zusammen:

Zum einen wurden sämtliche Vermögenswerte, die im Zusammenhang mit dem noch zu 25% bestehenden Leasingengagement der GFKL in England stehen, in Höhe von 28,7 Mio. € auf Null wertberichtigt, sodass zukünftig keine weiteren Abwertungen zu erwarten sind.

Zum anderen wurden in dem sich in Abwicklung befindlichen deutschen Leasingbereich zusätzliche Wertberichtigungen in Höhe von 21,7 Mio. € vorgenommen. Diese waren durch ein sich weiter verschlechterndes wirtschaftliches Marktumfeld und durch Forderungsausfälle gegenüber einigen unserer Großkunden notwendig geworden.

Der Umsatz und das Vorsteuerergebnis der Geschäftsbereiche Forderungsmanagement und Software entwickelten sich in den ersten drei Quartalen 2009 wie folgt:

Umsatz für den Zeitraum Q1 bis Q3 2009 im Einzelnen:

 

in T€                                    Q1-Q3 2009    Q1-Q3 2008     +/-
              
Forderungsmanagement           126.465          102.563    23%
Software                                    28.044            27.502      2%


Ergebnis vor Steuern für den Zeitraum Q1 bis Q3 2009 im Einzelnen:

 

in T€                                     Q1-Q3 2009        Q1-Q3 2008    +/-
              
Forderungsmanagement              19.139                 20.205       -5%
Software                                      4.067                   5.511    -26%


Die Entwicklung des Q3-Ergebnisses vor Steuern in den beiden Geschäftsbereichen zeigte sich zum Vergleichszeitraum des Vorjahres wie folgt:

 
Ergebnis vor Steuern im 3. Quartal im Einzelnen:

in T€                                             Q3 2009            Q3 2008      +/-
              
Forderungsmanagement                  4.801                 3.955    +21%
Software                                        1.097                 1.975    -44%

 

Die Vorsteuermarge jeweils beider Geschäftsbereiche lag sowohl im 3. Quartal als auch in den ersten neun Monaten im zweistelligen Bereich.

Der Rückgang des Ergebnisses vor Steuern im Geschäftsbereich Software ist im Wesentlichen auf das Software- und Beratungsunternehmen GENEVA-ID zurückzuführen. Die Auswirkungen der Finanzkrise erreichte das Softwareunternehmen, indem avisierte Aufträge von Kunden zurückgenommen wurden. Ein Großkunde hat zudem seine Projektdurchführung auf 2010 verschoben.

Aufgrund des sich in Abwicklung befindlichen Leasingbereiches ist der Umsatz der gesamten GFKL-Gruppe in den ersten neun Monaten 2009 um 58% von 672,0 Mio. € im Vergleichszeitraum auf 284,0 Mio. € gesunken. Im Zuge der nahezu vollständigen Einstellung des Neugeschäftes verzeichnete der Bereich Leasing einen Umsatzrückgang von 76% auf 129,9 Mio. € (Vj. 542,0 Mio. €). GFKL wickelt die Leasingportfolios der ehemaligen deutschen und niederländischen Leasingaktivitäten über die nächsten Jahre ab.

Das bereits erwähnte Vorsteuerergebnis der GFKL-Gruppe reduzierte sich von 15,1 Mio. € auf -43,0 Mio. €. Dieser Rückgang ist ebenfalls maßgeblich auf die Abwicklung des Leasingbereiches zurückzuführen. Das Vorsteuerergebnis fiel im Leasingbereich von 9,3 Mio. € auf -25,4 Mio. €.

Nach wie vor verzeichnet GFKL eine unverändert hohe Nachfrage nach professionellen Inkassodienstleistungen. Das betreute Forderungsvolumen stieg in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Vj. 20,5 Mrd. €) um 16,3% auf rund 23,8 Mrd. €. Das Forderungsvolumen teilt sich auf in den Bereich Banking mit einem Volumen der in Bearbeitung genommenen notleidenden Kredite in Höhe von 21,2 Mrd. € (Vj. 18,8 Mrd. €) und in den Bereich Non-Banking mit einem Forderungsvolumen zum Bilanzstichtag in Höhe von 2,6 Mrd. € (Vj. 1,7 Mrd. €).

Mit dem Zufluss von mehr als 150 Mio. € an liquiden Mitteln und den mit den Hausbanken neu verhandelten Kreditkonditionen ist GFKL sehr gut für die Zukunft gerüstet. Nach der inzwischen weit fortgeschrittenen Fokussierung, Reorganisation und Rekapitalisierung ist GFKL sehr gut für weiteres Wachstum in den Kerngeschäftsfeldern Forderungsmanagement und Software positioniert.

Wir möchten Sie darüber informieren, dass die Berichterstattung zukünftig auf den Financial Teil beschränkt werden wird.


Mit herzlichen Grüßen

Jürgen Baltes
Dr. Tom Haverkamp