Aufgaben und Kompetenzen einer Auskunftei

Aufgaben und Kompetenzen einer Auskunftei

Schon vor über 150 Jahren hatten Kaufleute und Banken aufgrund von säumigen Geschäftspartnern mit Forderungsausfällen zu kämpfen – daran hat sich bis heute nichts geändert. Um die Kreditwürdigkeit bei zukünftigen Vertragsabschlüssen besser einzuschätzen, wurden bereits Ende des 18. Jahrhunderts die ersten Auskunfteien in Deutschland gegründet. Damals lag der Fokus auf der Bewertung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen, mittlerweile gehört auch die Bonitätsprüfung von Privatpersonen zu den Geschäftsprozessen von Auskunfteien. Welche Aufgaben eine Auskunftei hat und wie Sie mithilfe von Bonitätsscoring das Zahlungsverhalten Ihrer zukünftigen Kunden und Geschäftspartner besser beurteilen können, verraten wir Ihnen hier. 

Bonitätsscores können positiv oder negativ sein
Benefit box

Das Wichtigste in Kürze

  • Mithilfe des Bonitätsscores können Unternehmen die Zahlungsmoral von Kunden bewerten.

  • Eine Auskunftei stellt Daten bereit, die den Bonitätsscore von Unternehmen oder Privatpersonen bestimmen.

  • Bonitätsscores können positiv oder negativ sein und im schlimmsten Fall dazu führen, das ein Vertrag nicht abgeschlossen oder ein Kredit nicht aufgenommen werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Kurz erklärt: Was ist eine Auskunftei?

Bei einer Auskunftei, häufig auch Wirtschaftsauskunftei genannt, handelt es sich um einen privatwirtschaftlichen Dienstleister, der personenbezogene Daten und Informationen zum Zahlungsverhalten von Privatpersonen und Unternehmen sammelt. Mithilfe dieser Informationen wird ein sogenannter Bonitätsscore ermittelt, der Auskunft über die Kreditwürdigkeit gibt und das Ausfallrisiko von offenen Forderungen einschätzt

Heutzutage gibt es viele Auskunfteien in Deutschland wie zum Beispiel die Deutsche Multiauskunftei GmbH oder die SCHUFA. Diese Dienstleister führen Bonitätsprüfungen für Unternehmen durch und berechnen beim Bonitätsscoring einen individuellen Wert für jeden Verbraucher und jedes Unternehmen. Die Prüfung der Bonität ist bei Kreditvergaben, Darlehen sowie Vertragsabschlüssen von Neukunden wichtig, um das Risiko von Zahlungsausfällen oder Betrugsfällen zu verringern.

Welche Aufgaben hat eine Auskunftei?

Auskunfteien sammeln verschiedene Daten über Privatpersonen und Unternehmen. Dabei handelt es sich um personenbezogene Daten, Informationen zum Zahlungsverhalten sowie zu Verträgen. Diese Daten erhalten Auskunfteien von anderen Unternehmen, die einen Vertrag mit dem jeweiligen Verbraucher oder Geschäftspartner haben oder hatten. Eine Auskunftei kann anhand dieser Informationen ein Bonitätsscoring durchführen und die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen oder Unternehmen berechnen. Damit tragen Auskunfteien einen wichtigen Teil für einen guten Kreditmarkt und eine intakte Volkswirtschaft bei. 

Wie gut oder schlecht die Bonität ist, hängt von den vorhandenen Daten und der Zahlungsmoral von Verbrauchern und Unternehmen ab. Eine Bonitätsprüfung bei einer Auskunftei darf nur erfolgen, wenn ein berechtigtes Interesse oder eine Einwilligung vom Verbraucher vorliegt. Sobald Sie ein wirtschaftliches Risiko eingehen, zum Beispiel ein Vertragsabschluss mit einem Kunden oder Geschäftspartner, besteht ein berechtigtes Interesse und Sie dürfen sich bei einer Auskunftei über die Bonität der Person bzw. des Unternehmens informieren. 

Umso mehr Daten und Informationen einer Auskunftei von Verbrauchern und Unternehmen vorliegen, desto besser lassen sich die Kreditwürdigkeit und das Ausfallrisiko einschätzen. Daher werden in der Regel alle Kredite von Bankinstituten sowie zahlreiche Vertragsabschlüsse zwischen B2C und B2B einer Auskunftei gemeldet und nach Vertragsende wieder gelöscht

Sofern die Verträge gut verlaufen und die Rückzahlungen pünktlich sind, ist ein positiver Bonitätsscore vorhanden. Zu einer schlechten Bonität kommt es, wenn die Auskunftei sogenannte Negativmerkmale speichert: Zahlungsstörungen oder Forderungsausfälle sowie regelwidrige Vertragsbrüche sind negative Einträge, die den Bonitätsscore herabsetzen. Die Folge: Bei einer schlechten Bonität sind die Chancen, einen Kredit bei einer Bank zu bekommen oder einen Handy- oder Mietvertrag abzuschließen, gering. Auch Bestellungen im Onlinehandel sind fast unmöglich. 

Welche Daten sammelt eine Auskunftei?

Bei einer Auskunftei werden zum einen personenbezogene Daten gesammelt wie zum Beispiel Name, Adresse, Alter und Geschlecht sowie Informationen über vorhandene Giro- und Kreditkartenkonten mit Kreditrahmen jedoch ohne Angaben zum Saldo. Aber auch laufende Kredite und Verträge werden in einer Auskunftei erfasst, dazu gehören beispielsweise.

  • Dispositionskredite 
  • Ratenkredit 
  • Autokredite 
  • Immobilienkredite 
  • Telekommunikationsverträge 
  • Leasingverträge 
  • Mietverträge

Hinzu kommen Informationen zum Zahlungsverhalten wie etwa pünktliche Rückzahlungen sowie Zahlungsstörungen. Aber auch Mahnbescheide, gerichtliche Daten oder Insolvenzverfahren sammelt eine Auskunftei. Anders als viele vermuten, werden Informationen zum Familienstand, Arbeitsverhältnis, Einkommen und Vermögen nicht gespeichert – jedoch verlangen Banken bei Kreditvergaben häufig diese Nachweise. 

Um die Kreditwürdigkeit von Unternehmen einzuschätzen, werden unternehmerische Daten wie zum Beispiel der Firmenname, die Niederlassungen, die Anzahl der Mitarbeitenden sowie Bilanzen, Einnahmen und Ausgaben und auch Gewinne und Verluste erfasst.

Woher bekommt eine Auskunftei die Daten? Ganz einfach: Auskunfteien erhalten die Informationen aus verschiedenen Datenquellen wie zum Beispiel: 

  • Datenbanken von Vertragspartnern
    (Kreditinstitute, Banken, Händler, Telekommunikationsunternehmen, Versicherungen, Energieversorger, Einwohnermeldeamt)
  • öffentliche Datenquellen
    (Handelsregister, Amtsgericht, Firmendatenbanken, Insolvenz- und Schuldnerverzeichnisse) 
  • Inkassodienstleister
    (z. B. die Lowell Group) 

Trotz der Kompetenz von Auskunfteien und der zuverlässigen Datenquellen kann es zu fehlerhaften Angaben kommen, die über Verbraucher oder Unternehmen gespeichert werden. In diesem Fall können Betroffene eine Löschung, Berichtigung oder Sperrung der Daten verlangen. Ist eine Klärung über die Richtigkeit oder Falschheit der Daten nicht möglich, muss die Auskunftei die Daten sperren und darf diese nicht mehr an Dritte weitergeben.  

Warum sind Auskunfteien wichtig für Unternehmen?

Zugegeben: Das Zahlungsverhalten von Verbrauchern und Geschäftspartnern lässt manchmal zu wünschen übrig und oftmals kommt es zu Zahlungsstörungen. Vor allem Versandhäuser und Onlineshops haben häufig mit säumigen Kunden oder Betrugsfällen zu tun. Um im Unternehmen das Risiko von Forderungsausfällen zu minimieren, nutzen täglich Millionen Firmen das Leistungsangebot von Auskunfteien. 

Dank der großen Anzahl an gesammelten Daten, modernster Techniken und Experten-Wissens ist die Auswertung und Einschätzung der Kreditwürdigkeit von zukünftigen Vertragspartnern über eine Auskunftei zuverlässig und leicht zu verstehen: Mithilfe der gespeicherten Daten wird beim Bonitätsscoring für jede Privatperson und jedes Unternehmen ein individueller Wert ermittelt, der sogenannte Bonitätsscore. Dieser Wert gibt Ihnen Hinweise zur Bonität des Verbrauchers bzw. Unternehmens und schätzt das Risiko von zukünftigen Zahlungsausfällen ein. 

Führen Sie als Unternehmen bei einer Auskunftei eine Bonitätsprüfung über einen potenziellen Kunden durch, erhalten Sie Kenntnis darüber, ob dieser in der Lage ist, die Rückzahlungen zu leisten oder den Vertrag zu erfüllen. Bei einer guten Bonität sollte einem Vertragsabschluss nichts im Wege stehen. Fällt die Kreditwürdigkeit aufgrund eines schlechten Bonitätsscores unzureichend aus, sollten Sie den Abschluss des Geschäfts noch einmal überdenken. 

Eine Auskunftei gibt Ihnen Sicherheit für zukünftige Geschäftsbeziehungen, da Sie relevante Informationen zum Zahlungsverhalten und zur Kreditwürdigkeit von neuen Vertragspartnern erhalten. Oder kurz und knapp: Mit einer Bonitätsprüfung über eine Auskunftei können Sie in Ihrem Unternehmen finanzielle Risiken frühzeitig erkennen und somit Forderungsausfälle reduzieren

Hinweis: Die Bonitätsabfrage bei einer Auskunftei lohnt sich nicht nur bei Neukunden, auch die jährliche Abfrage der Daten bei bestehenden Kunden schützt vor Zahlungsstörungen!

Auskunfteien überwachen Zahlungsverhalten und bewerten die Bonität  

Für jedes Unternehmen stellen wirtschaftliche Risiken eine Gefahr dar, wobei die Finanzrisiken durch säumige Kunden und Geschäftspartner schnell zu einer schlechten Liquidität führen. Mit einer Bonitätsprüfung über eine Auskunftei können Sie das Ausfallrisiko offener Forderungen von potenziellen Vertragspartnern besser einschätzen und verringern

Ein Tipp: Durch eine regelmäßige Datenübermittlung zum Zahlungsverhalten Ihrer Kunden und Geschäftspartner an eine Auskunftei können auch Sie Ihren Teil bei der Risikoeinschätzung zur Kreditwürdigkeit von Verbrauchern und Unternehmen beitragen.

Individuelle Anfrage

Es sind noch Fragen offen? Wir von Lowell wissen, dass viele Ihrer Probleme nur mit individuellen Lösungen behoben werden können. Gerne erarbeiten wir maßgeschneiderte Lösungen inklusive Dienstleistungsportfolio für Sie. Wenden Sie sich dafür einfach an einen unserer Experten.

Tel.: +49 201 102 1111
Mail: vertrieb@lowellgroup.de